1930 - 1945

1930:

In Ulm werden am 11. März drei Reichswehroffiziere verhaftet, die beschuldigt werden, nationalsozialistische Propaganda im Heer verbreitet zu haben.
Bei den Reichstagswahlen im September wird die NSDAP hinter der SPD zweitstärkste Fraktion.

Die sportliche Bilanz der deutschen Tennislehrer 1930 kann sich sehen lassen:
An der Riviera wird der „Bristol-Pokal“ ausgetragen. Roman Najuch unterliegt erst im Endspiel gegen Karel Kozeluh.

Einen Dreiländerkampf in Bad Ems gewinnt die deutsche Mannschaft überlegen vor England und Holland. Die Mannschaft: Najuch, Bartelt, Nüsslein und A.C. Becker.

 Die Ergebnisse der 2. Internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin mit 61 Teilnehmern:

1.   Martin Plaa

2.   Hans Nüsslein / Hermann Bartelt / Hermann (Wackl) Richter
(Die Einzelspiele konnten wegen Regens nicht beendet werden. Die Spieler einigten sich auf Teilung der Preise.)

5.   August C. Becker

6.   Heinz Messerschmidt

7.   Max Hopfenheit

8.   A. Förster

Die Doppelkonkurrenz gewinnen Burke / Plaa vor Bartelt / Nüsslein und Richter / Becker sowie Hopfenheit / Messerschmidt.

Und die berufliche Perspektive?

 Angesichts einer zunehmend schlechter werdenden Beschäftigungslage sieht sich der VDT veranlasst, eine Aufnahmesperre zu verhängen und die Prüfungen vorübergehend einzustellen. Im September lädt der VDT zu einer außerordentlichen Generalversammlung: „Unser Beruf ist in Gefahr“. Nöte der Mitglieder und Wege aus der Misere werden diskutiert. Aber der Alltag ist stärker: Deutsche Tennislehrer suchen verstärkt ihr Heil im Ausland.
Bietet der Abzug der letzten alliierten Besatzungstruppen aus dem Rheinland im Juni 1930 noch Anlass zur Freude, so sind die Folgen des verlorenen Krieges längst noch nicht überstanden. Hohe Reparationskosten an die Sieger hemmen die deutsche Wirtschaft. Zudem gerät das Reich in den Strudel der Folgen des New Yorker Börsenkrachs aus dem Vorjahr. Deutsche Unternehmen und Banken brechen zusammen. Massenentlassungen führen zu über 3 Millionen Arbeitslosen, mehr als eine Verdopplung zum Vorjahr. Von Konkursen betroffen sind auch immer mehr Sportvereine: öffentliche Gelder fließen nicht mehr, Mäzene ziehen sich zurück.


1931

Die Spiele gehen zwar weiter, aber feste Anstellungen für Tennislehrer gibt es immer weniger. Sieger der Internationalen Deutschen Meisterschaft 1931 in Berlin wird erstmals Hans „Hanne“ Nüsslein vor Roman Najuch; dieser trägt seinen Bezwinger vom Platz und prophezeit: „Hier bringe ich Euch einen Weltmeister.“30

 

Im Dezember gründen die Berufsspieler aus Deutschland, Frankreich, England, Österreich, Holland und der Schweiz die „Fédération internationale des Professeurs et Professionels“ als Gegenstück zur Federation der Amateure. Roman Najuch wird ihr erster Präsident.31
Der VDT verzeichnet 164 Mitglieder.


1932

Auch die Anzahl der Spiele geht nun zurück. Dennoch: Mit Fördermitteln der Industrie soll zum Saisonabschluss 1932 in Berlin eine „Europameisterschaft“ stattfinden. Nach Zusagen der Teilnahme von Tilden, Plaa und Ramillon wird diese zwangsläufig zur „Weltmeisterschaft“. Überraschend schlägt Plaa im Endspiel Tilden, auf den Plätzen folgen Najuch und A. Burke.

 

Auf der Generalversammlung im Oktober wird W. A. Lamprecht zum Ersten Vorsitzenden gewählt, Vize wird H. Bartelt. Aus Spenden von Förderern richtet der Vorstand am Stadtbahnhof Halensee ein Klubhaus ein, nebst Büro, Fachbibliothek und Gästewohnung. Endlich haben die „VDTler“ eine zentrale Verwaltungs- und Anlaufstelle. Aber die Kasse ist nun zwangsläufig leer.


1933-1945

April 1933. Die NSDAP ruft zu einem Boykott jüdischer Geschäfte, Anwälte und Ärzte auf. 

Der VDT (wie der DTB) werden „gleichgeschaltet“. Der Verband wird eingegliedert in den „Reichsverband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im NS Lehrerbund“; zumindest gelingt es, darin eine „Fachgruppe VDT“ zu gründen. Organisatorisch änderte sich [noch] nicht viel, wie W. A. Lamprecht zurückblickend feststellt, die „Stammtischrunden“ im Klubheim bleiben erhalten, andere Traditionen werden fortgesetzt. Dennoch ist zunehmende Resignation zu spüren.32

 

Der Hauptvorstand der Deutschen Turnerschaft, der Dachorganisation der deutschen Turnvereine mit ca. 1,6 Millionen Mitgliedern, beschließt in Stuttgart, nichtarische Mitglieder (wie auch Mitglieder von KPD und SPD) aus den Turnvereinen auszuschließen.
Diesem „arischen Prinzip“ verschreiben sich bald der Deutsche Schwimmverband, der Deutsche Ruderverband und der Deutsche Ski-Verband (u. a. m.), wenngleich die Sportführung des Reichs sich in „Rassenfragen“ zurückhält - zumindest im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, aus Furcht vor Boykotten.

Am Ende der Spielzeit 1933 wird in Berlin-Dahlem die zweite (und zunächst letzte) Weltmeisterschaft ausgetragen. Der für die Weltmeisterschaften gemeldete Tschechoslowake Karel Kozeluh wird von allen Konkurrenzen ausgeschlossen. Er äußerte nach seiner Einreise: „Ich spiele nur für meine alten Kollegen.“ Im Endspiel am Schlusstag wird Hanne Nüsslein vor 7000 begeisterten Zuschauern Weltmeister.

In den Folgejahren bis 1939 finden im VDT neben weiteren Prüfungen und Pflichtlehrgängen nur wenige interne Veranstaltungen statt. In Berlin wird 1936 letztmalig die Deutsche Meisterschaft der Tennislehrer VDT ausgetragen, Bad Ems beendet die Westdeutschen Meisterschaften 1939. Eine internationale Besetzung der Turniere gibt es längst nicht mehr. Noch ein erster offizieller Wettkampf Amateur gegen Tennislehrer kann in Berlin 1936 stattfinden: Hanne Nüsslein verliert gegen Gottfried von Cramm in vier Sätzen.

   

Im Zweiten Weltkrieg wird die VDT-Geschäftsstelle durch eine Luftmine zerstört. Das Klubheim wird beschlagnahmt, alle Akten und Wertgegenstände werden vernichtet. Der VDT hat seine Existenz verloren.

         
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