1920 - 1929

1920

Von wegen „golden“: Das neue Jahrzehnt beginnt mit bitteren Jahren zunehmender Inflation. Hunger, Krankheitsepidemien und Arbeitslosigkeit zeichnen die Gesellschaft.

Beim VDT sind die Kassen leer und immer mehr Mitglieder verlassen den Verband. Der Mitgliederschwund reicht bis in die Vorstandsriege. Die Gründe hierfür sind nicht strukturelles Desinteresse oder sportliche Abkehr, sie finden sich in den gesellschaftlichen Lebensbedingungen, die auch den Alltag der Tennislehrer prägen. Der VDT kränkelt – aber er lebt.

1920 werden die Tennislehrer dem „Verband deutscher Sportlehrer“ angeschlossen.

Im selben Jahr gründet sich der DLTB neu und ersetzt in seinem Namen „Lawn-Tennis“ durch „Tennis“. (Der hier beginnende schrittweise Verzicht auf die Beschreibung „Lawn“, lässt sich auch dadurch begründen, dass sich die Pflege von Rasenplätzen als sehr aufwendig erweist und stattdessen immer mehr Sandplätze gebaut werden.) Dr. Wilhelm Schomburgk wird zum Bundesleiter gewählt.

Zwölf Tennisbälle kosten immer noch teuere 200 bis 240 Mark (ca. 700 – 840 €). Der Jahresverbrauch hat sich beim Berliner SCC e.V. auf bis zu 40 Dutzend gesteigert. (Vgl. wikipedia, Deutsche Währungsgeschichte und externer Link zur Webseite TCSCC Berlin: http://www.tcsccberlin.de/index.php/verein/geschichte.html?showall=1 (2009))

 


1922

1922 wird Erich Teske zum 1. Vorsitzenden des VDT gewählt. Mit ihm bilden Willi Klick als Schriftführer und Ernst Abel als Kassierer den Vorstand.

An der Church Road in Wimbledon wird das neue Stadion eröffnet. Es ist ausgelegt für 14000 Zuschauer.

Während eines Turniers in Nürnberg findet ein Wettspiel „Amateur gegen Balljunge“ statt. Der Amateur Professor A. Knorr verliert gegen den Balljungen. Sein Name: Hanne Nüsslein. (W. A. Lamprecht, 1951, S. 28)

 


1924

Das Jahr 1924 ist gekennzeichnet durch die Wiederaufnahme sportlicher Beziehungen zunächst mit den im Krieg neutral gebliebenen Nachbarländern.

Im neu gewählten VDT-Vorstand übernimmt Willi Hannemann den Ehrenvorsitz. Erster Vorsitzender ist W. A. Lamprecht, Schriftführer Willi Klick und Kassierer Otto Leissner. Der Vorstand beschließt die Einrichtung von vier „Gauen“ (Landesgruppen): Nord-, Mittel-, West- und Süddeutscher Gau. Die Gauleiter gehören dem erweiterten Vorstand an. Zugleich werden Meisterschaften der Tennislehrer in den Gauen ausgeschrieben. Der Vorstandsbeschluss wiederbelebt die Werbe- und Wettspieltätigkeit der Tennislehrer. Der Verband gesundet zusehends. (siehe Landes- & Regionalverbände)

In Bad Ems beginnt mit der Austragung der ersten „Westdeutschen Meisterschaft“ eine über Jahrzehnte währende Tradition. Gewinner der Meisterschaft wird August C. Becker. (Er verteidigt seinen Titel viermal bis 1928.)

 

Der DTB bildet eine Trainerkommission, der alle Verträge vorzulegen sind, damit das „Pfuschertum“ unter den Lehrenden ausgeschaltet wird. Im folgenden Jahr erlässt Dr. Schomburgk eine Verfügung, die es den Vereinen untersagt, Tennislehrer anzustellen, gegen deren Beschäftigung der Bundesleiter Einspruch erhoben hat. Zugleich werden in Abstimmung mit dem VDT sogenannte „Normaltarife“ für den Tennisunterricht aufgestellt und den Tennisvereinen zur Kenntnis gebracht: RM 5 für 50 Minuten. (Umgerechnet 18 €.)24
(siehe Honorare)


1927

Die Blockade Deutschlands wird aufgehoben, der DTB ist wieder Mitglied des internationalen Verbandes.

Im Queens Club London findet die „Weltmeisterschaft der Tennislehrer“ statt, organisiert von der Schwester-Vereinigung der Tennislehrer in England, die sich 1925 gegründet hat. Sieger wird Dan Maskell, England. Die internationale Beteiligung ist noch gering.

Willi Hannemann führt Cilly Aussem als Trainer zur deutschen Meisterschaft im Damen-Einzel.


Die Erwartungen an die Tennislehrer steigen stetig, vor allem an ihre Mobilität. Vereine und Verbände wünschen zunehmend eine Wettkampfvorbereitung und –begleitung, sowie eine verstärkte Betreuung und Förderung des Nachwuchses. Der Gruppenunterricht gewinnt zunehmend an Bedeutung.25

Der VDT reagiert auf die neuen Anforderungen mit verstärkten Fortbildungslehrgängen für seine Mitglieder.

 
Der Tennislehrer im Verein

 „(...) Eine wenig angenehme Angelegenheit war der erstmalige Antritt eines Engagements. Vor allem war es die Spielstärke, die einen wochenlang vorher nicht mehr schlafen ließ. Deshalb wurde tagsüber an allen möglichen und unmöglichen Plätzen, Wänden, Haustüren usw. geübt. (...)

In dem neuen Wirkungskreis wurde man von einer „Trainerkommission“ empfangen, auch einige Mitglieder hatten sich eingefunden und zunächst einmal  ein Probespielchen mit dem spielstärksten Mitglied des Vereins absolviert. Man wollte ja doch wissen, was der junge Mann kann. Konnte man den Klubmeister kurzerhand zusammenknallen, standen die Aktien gut. Gelang es diesem aber, einen Satz zu bekommen, dann ging das Geraune los: „Hast du gesehen, doll ist es mit der Spielstärke auch nicht bestellt“.

Alle theoretischen Lehren und Ratschläge standen oder fielen mit der Spielstärke, wobei die Unvernunft manchmal so weit ging, daß man nicht einmal Verständnis für einen schlechten Tag, für die neue Umgebung oder die überstandene Reise hatte. In der Hauptsache vollzog sich die Tätigkeit im Verein im ewigen Einerlei des Stundengebens, möglichst zehn bis zwölf Stunden am Tag, die beiden letzten Abendstunden selbstverständlich mit den spielstärksten Mitgliedern. Waren Benehmen und Umgangsformen zur Zufriedenheit der Vereinsgewaltigen, besonders der Vereinsmutter, dann wurden einem auch die „wohlerzogenen Töchter“ anvertraut, selbstverständlich nicht ohne die vorherigen Verhaltensmaßregeln.

Es gab auch Vereine, die einen ausgesprochenen „Kraftmeier“ suchten, der sechs Stunden mit Anfängern und vier bis sechs Stunden mit Spitzenspielern fertig werden mußte. Dieser hatte natürlich keine Zeit übrig für irgendwelche anderen Dienste im Klub und so pendelte er vom frühen Morgen bis zum späten Abend zwischen Klub und Wohnung hin und her, ohne weiteren Konnex mit den Mitgliedern des Vereins zu erhalten. Ab und zu erhielt er einmal eine Einladung zu irgendeinem Vereinsfestchen, die er aber meist ablehnen mußte, wenn er für den nächsten Zwölfstundentag wieder frisch sein wollte. Es war nicht immer leicht hier den goldenen Mittelweg zu finden, und so mancher alter Tennislehrer wird sich noch der starken Widerstände erinnern, denen er jahrelang gegenüber stand und die er erst hat überwinden müssen, bevor er sich in seinem Beruf einigermaßen hat zurechtfinden können. (...)26

 


1928

1928 veröffentlichen der VDT und der „Tennislehrer-Ausschuß“ des DTB die erste „Prüfungsordnung der Tennislehrer VDT“. Nach bestandener Prüfung vor und durch Fachleute(n) erhält der Bewerber das Abzeichen „Tennislehrer VDT“, für dessen gesetzlichen Schutz der VDT gesorgt hat.

Daneben wird die erste Standesordnung der „Tennislehrer VDT“ aufgestellt, die ihre Mitglieder auch moralisch in die Pflicht nimmt.

In Telgte kostet ein Dutzend Tennisbälle 19,50 Reichsmark (entsprechend ca. 60 €) Ein Balljunge erhält pro Turniertag 2 RM (ca. 6 €)27

Im „Queens Club“, London, finden die ersten inoffiziellen „Weltmeisterschaften der Tennislehrer“ statt. Die Teilnehmer tragen sämtliche Unkosten selbst.

Zu einem ersten Kräftemessen mit englischen Kollegen kommt es im August in Bad Ems. Die deutschen Tennislehrer gewinnen mit 8:1. Sieger der deutschen Meisterschaften in Berlin im Folgemonat wird ein weiteres Mal Roman Najuch.

Willi Klick wird nach den Neuwahlen des Präsidiums Erster Vorsitzender, Schriftführer ist Paul Schulz und Kassierer Hermann Bartelt. Eine erste Mitglieder-Versicherung für den Sterbefall wird initiiert.

Die Erstausgabe des Vereinsorgans „Der Tennislehrer“ erscheint. Ins Leben gerufen wird es von Willi Klick (aus eigenen finanziellen Mitteln!), „um den Mitgliedern durch sachliche und fachliche Aussprachen als Vermittler dienen zu können und so in fruchtbarer Weise auf das Gemeinsamkeitsgefühl hinzulenken, das im VDT oberstes Gebot sein sollte.29


 


1929

Im März findet in Berlin auf der Platzanlage des Berliner Tennisklub Gelb-Weiß die erste Tennislehrer-Prüfung seitens des VDT statt. 34 Bewerber stellen sich an zwei Tagen der kritischen Bewertung ihrer praktischen und theoretischen Kenntnisse. (Siehe 1928)

1929 findet in Berlin die erste „Internationale Meisterschaft der Deutschen Tennislehrer“ statt, zu der neben der Elite der ausländischen Lehrerschaft u. a. die Gausieger geladen werden. Roman Najuch entscheidet den Einzelwettbewerb für sich, das Doppel gewinnen Burke / Ramillon gegen Najuch / Richter.

Auch der VDT „aktualisiert“ seinen Namen. Er nennt sich nun „Verband Deutscher Tennislehrer e.V.“.

Zum Ende eines bewegten Jahrzehnts verzeichnet der VDT 157 Mitglieder. 1929 werden von 128 Bewerbern 24 (!) neu in den Verband aufgenommen. Um es mit einem heute „gängigen“ Begriff zu beschreiben, eine erste „Qualitätssicherung“ zeichnet sich ab. Doch ist das Problem unkontrolliert tätiger „Tennislehrer“ längst noch nicht gelöst. Schätzungsweise 700 Lehrkräfte sind in dieser Zeit in Deutschland tätig, allerdings nur 326 vom DTB registriert. Der DTB beschließt, alle mit dem Lehr- und Unterrichtswesen zusammenhängenden Probleme dem VDT zur Lösung zu überlassen. Eine Aufgabe, die den Verband über lange Zeit beanspruchen wird.

Die Zwanziger für den VDT - zum Schluss doch eher golden. Und von wegen : „Im Westen nichts Neues“ - der gerade erschienene Roman von E. M. Remarques.

         
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